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Bodensanierung Lampertheim-Neuschloß


Am Standort Neuschloß, Gemeinde Lampertheim, Kreis Bergstraße, produzierte die Chemische Fabrik Neuschloß von 1827 bis 1927 unter anderem Soda, Schwefelsäuren und Kunstdünger. Die Chemische Fabrik Neuschloß wurde im Jahre 1927 geschlossen und anschließend abgerissen, wobei Bauschutt- und Fundamentreste wie auch Produktionsreste der Fabrik am Standort im Boden verblieben sind.

Flächendeckende Bodenkontamination

Anfang der 50er Jahre wurde auf dem ca. 8 Hektar großen Gelände eine Wohnsiedlung errichtet, die heute 125 bebaute Grundstücke umfasst. Im Zuge von Baunutzungsänderungen wurden Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre Bodenuntersuchungen durchgeführt, die erste Hinweise auf massive Bodenkontaminationen ergaben. Nachfolgende Untersuchungen bestätigten den Verdacht flächendeckend hoher Schadstoffbelastungen mit Arsen und Schwermetallen, wie beispielsweise Blei, Kupfer, Quecksilber und Thallium. Zudem wurden vergleichsweise hohe Gehalte an Dioxinen und Furanen vorgefunden.


















Aufbauend auf einer Ende 1993 durchgeführten historischen Erkundung wurde das Wohngebiet 1994 bis 1997 detailliert in Fläche und Tiefe untersucht und erste Grundwasseruntersuchungen vorgenommen. Die Bodenuntersuchungen zeigten, dass das gesamte Betriebsgelände flächendeckend und in der Tiefe - bereichsweise bis in ca. 8 m unter GOK - hochgradig mit Schwermetallen und Arsen (letzteres zu hohen Anteilen in eluierbarer Form) sowie mit Dioxinen und Furanen kontaminiert ist.

Auf nahezu allen Grundstücken wurden produktionsspezifische Schadstoffbelastungen nachgewiesen. Im Grundwasser wurden erhebliche Kontaminationen an Arsen und AOX nachgewiesen, die eine Schadstofffahne von ca. 560 m Länge und 180 m Breite im Abstrom des Betriebsgeländes ausbilden.



Beginn einer der größten Altlastensanierungen

Grundwasseraufbereitungsanlage
Die konzeptionelle Entwicklung der Sanierung des Kompartiments Boden erfolgte 1998. Basis hierfür waren Fallbeispiel-Betrachtungen der im Jahr 1997 erstellten Variantenstudie. Parallel hierzu wurde das Konzept zur Grundwassersanierung erarbeitet. Der auf Grundlage aller vorgenannten Untersuchungen erstellte Grundwassersanierungsplan wurde im Juni 2001 für verbindlich erklärt. So begann am 13.06.2002 eine der größten Altlastensanierungen im Regierungsbezirk Darmstadt bzw. Hessen. Der Bau der Grundwasseraufbereitungsanlage erfolgte von Juni 2002 bis Februar 2003.

Von 2003 ab bis Ende 2007 wurden aus insgesamt rund 1,3 Mio. m³ gefördertem kontaminiertem Grundwasser rund 373 kg Arsen sowie rund 40 kg AOX eliminiert. Der mittlere Anlagendurchsatz betrug rund 30 m³/h bei einer Anlagenverfügbarkeit von annähernd 100%.

Aufwändige Bodensanierung in 5 Sanierungsabschnitten

Die Bodensanierung erfolgt gemäß verbindlichen Sanierungsplan in 5 Sanierungsabschnitten, wobei für jeden Abschnitt ca. 1,5 bis 2 Jahre Sanierungsdauer veranschlagt sind. Kernpunkt der Bodensanierung ist ein genereller Austausch des Oberbodens bis in 1 m Tiefe. Dies stellt einen nachhaltigen Schutz des Menschen vor einem Kontakt mit kontaminiertem Bodenmaterial oder vor der Verwehung und Einatmung kontaminierter Staubteilchen sicher.

Darüber hinaus ist in großflächigen, hochgradig und tiefgreifend kontaminierten Bereichen, ein weitergehender Aushub bis > 1,5 m Tiefe und das anschließende Einbringen einer Sickerwassersperrschicht vorgesehen. Letztere dient dem nachhaltigen Schutz des Grundwassers vor einer andauernden Auswaschung von im Boden verbliebenen Schadstoffen. In kleinflächigen Schadenszentren mit tiefreichenden Kontaminationen wird der Boden bis in Tiefen von 3 – 4 m ausgetauscht, um das weitere Auswaschen von Schadstoffen zu verhindern. Für den Aushub werden alle Einfriedungen, Nebengebäude wie Garagen, Flächenversiegelungen sowie alle Bäume und sonstigen Grünpflanzen abgebrochen bzw. gerodet. Nach Fertigstellung der Sanierung und Verfüllung der Baugruben werden die Grundstücke wieder in den Ursprungszustand versetzt.

Abbruch, Bodenaushub und Wiederherstellung


Vorgehensweise SiGe-Koordination 3. Sanierungsabschnitt

Die SiGe-Koordination der Planungsphase des 3. Sanierungsabschnittes wurde zum Zeitpunkt des ersten Entwurfes der Ausführungsplanung begonnen. Nach grundlegenden Besprechungen mit den Planern folgten mehrer Ortsbesichtigungen und anschließend wurde die Ausführungsplanung (Leistungspositionen, Baubeschreibung, Planunterlagen, etc.) analysiert.

Neben den Hauptproblemen Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Emissions- und Immissionsschutz vor mit Dioxinen und Schwermetallen hochgradig belasteten Stäuben gab es in diesem Abschnitt die Besonderheit, dass alle Gebäude seiner Zeit gegen den zu sanierenden Wall erbaut wurden. Vorhandene Hohlräume im Wall, die Statik der Gebäude und die Erschütterungen infolge der Bauarbeiten waren dabei einige Punkte, die auch im Hinblick auf den Sicherheitsschutz koordiniert wurden.

Infrastrukturplan

Der entwickelte Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan) bestand aus insgesamt 8 Plänen. Ein gewöhnlicher Balkenplan, in dem u. a. die gemeinsam genutzten Sicherheits- und Betriebseinrichtungen ausgewiesen wurden und 7 Lagepläne, in denen besondere Gefährdungen herausgestellt wurden. Darüber hinaus wurde eine Objektinfo mit Ansprechpartnern erstellt und der SiGe-Plan gewerksspezifisch als Listenform den Unternehmern übergeben.

Die folgenden Pläne wurden erstellt mit >> SIGEPLAN plus:

Klicken Sie auf die Bildunterschrift, um den jeweiligen SiGePlan als Großansicht (PDF-Datei) zu öffnen:



>> SiGePlan Abbruch









>> SiGePlan Erdarbeiten 2


>> SiGePlan Erdarbeiten Wall


>> SiGePlan Listenform




Weitreichende Arbeitsschutzkoordination

Vor dem Beginn der Bauarbeiten erfolgte die Einweisung der verantwortlichen Bauleiter des Generalunternehmers wie auch aller Subunternehmer. Darüber hinaus wurden von den verschiedenen Unternehmen durch einen sogenannten „Firmenerfassungsbogen“ deren grundlegende interne Arbeitsschutzorganisation, Planungsschritte für die eigenen Arbeiten, etc. abgefragt und wichtige Unterlagen wie Gefährdungsbeurteilung eingefordert. Zu Beginn der Baustelle wurde sofort ein Augenmerk darauf gelegt, dass grundlegende Sicherheitseinrichtungen wie Erste-Hilfe-Einrichtungen, Feuerlöscher, Alarmplan, Ersthelfer, etc.) bereit gestellt waren und die Koordination der Unternehmer untereinander festgelegt wurde.
>> Gemeinsam genutzte Sicherheits-
und Betriebseinrichtungen

Während der Baumaßnahme folgten dann Sicherheitsbegehungen in Abhängigkeit der auf der Baustelle vorhandenen Gefährdungen, wiederholende Einweisungen und Besprechungen mit den verantwortlichen Bauleitern. Darüber hinaus wurde bei Verschiebungen im Zeitplan der Hochbauarbeiten die Arbeiten dahingehend überprüft, ob sich dadurch neue Überschneidungen bei den Gewerken und dadurch bedingt neue Gefährdungen ergeben hatten.


Die Sanierung dauert der Planung nach noch bis mindestens 2011 an. Auf der Internetseite >> www.sanierung-neuschloss.de informieren die Projektverantwortlichen fortlaufend über das aktuelle Baugeschehen.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie hier:

Bauherr:
HIM GmbH, Bereich Altlastensanierung (HIM-ASG)
>> www.him.de

Planung und Bauleitung:
CDM Consult GmbH, Alsbach
>> www.cdm-ag.de

Finanziert wird das Projekt durch das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt unter finanzieller Beteiligung der Stadt Lampertheim und der Grundstückseigentümer. Die Sanierung wird unter der Projektleitung der HIM-ASG durchgeführt.


Vielen Dank an Herrn Ulrich Urban, Projektleiter HIM-ASG, für die Bereitstellung von Text- und Bildmaterial. Besonderer Dank gilt Herrn >> Dipl.-Ing. (FH) Marco Farnung, planender und ausführender Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator, für die Aufbereitung der Projektinformationen und für die Bereitstellung der SiGePläne (erstellt mit >> SIGEPLAN plus).

Dieses Projekt war auch der Praxisbericht auf dem >> Koordinatorentag 2008.